Noch´n Gedicht


schreiben ist leben und das leben ist kurz nach allem wollen und streben                          bleibt am ende ein furz.

Bereit

 

Bist du bereit für mich
ist mir dein Herz noch offen?
Darf ich auch im Morgenrot
auf deine Liebe hoffen?

 

Wirst du noch einen weit´ren Tag
mir alles Glück bereiten?
Wird mich dein Arm im Abendrot
in diese Nacht begleiten?

 

Dann will ich sagen ja, ich bleib
dir weiter treu gewogen
und komm mit Hand und Fuß und Herz
zu dir heran geflogen.

Ein Jauchzen fährt mir in den Sinn
ein sonniges Frohlocken
so küsse ich dich inniglich
und hau dich aus den Socken.

 

 

Kordula Völker | 29. Juli 2013

Die Zweite

 

Mein Schicksal war besiegelt, als ich die Welt erblickte
die Mutter war gelassen, der Vater höflich nickte
die Oma nur am Rande nahm von mir Notiz
der Opa herzhaft lachte, er las gerade einen Witz

 

Kein Mensch zollte mir Achtung, brach in Entzücken aus
und keine von den Tanten war an dem Tag zu Haus.
Der Grund für diese Ignoranz stand grinsend mir zur Seite
mein Bruder war schon von mir da, und ich war nur die Zweite.

 

 

Die Zweite war mein Schicksalsschlag, ich hab es lang ertragen
vor mir immer schon wer da, ich brauchte nicht zu fragen
ich fraß den Kummer in mich rein und ging so in die Breite
beim Fettabsaugen hieß es dann: "Sie sind heut schon die Zweite."

 

Als Zweitbesetzung kam ich dann an hiesige Theater
ich verliebte mich in Don Juan, das war ein Kesser Vater.
Er führte mich zum Traualtar, dann suchte er das Weite
und nahm sich eine Dritte Frau, ich war die Ex und Zweite.

 

Nur einmal hat das Schicksal mir ein wenig Glück gebracht
da war ich endlich Erste, wer hätte das gedacht.
Das war - ich weiß es noch genau - gerade heute vor  2 Jahren
Ich spielte im Charakterfach und war schon sehr erfahren

 

Ich gab die Alte mit Bravour, man trug mich auf den Händen
die Presse prophezeite mir, die wird als Star noch enden
Dann bat der Intendant mich zum Gespräch, das Theater sei bald pleite
Als Erste schmiss er mich hinaus – die Kollegin war nur Zweite!

 

 

Seitdem da füg ich mich bescheiden in meinen Schicksalslauf
wie ich`s auch dreh und wende, ich halte ihn nicht auf.
denn Schlaganfall und Rheuma und Stiche in der Seite,
die kriegt bestimmt nicht Jede, die kriegt nur jede Zweite.

 

Und grinst mir auch der Sensenmann am Ende ins Gesicht,
es wird noch lange brennen, mein eignes Lebenslicht.
ist er auch fit und munter, der Mensch an meiner Seite
garantiert stirbt er zuerst und ich dann nur als Zweite!

 

Kordula Völker

Mangelware

 

Ihre Liebe war wie Dosenfutter

Geschmacksverstärkt, proportioniert,

in kleine Häppchen vorgeschnitten

und täglich ein Mal kalt serviert.

 

Am Montag  gab es Schwein,
das beste Stück vom dicken Bauch,
den aßen sie vor dem TV
und guckten Günther Jauch

Der Mangel lag nicht an der Liebe,
es lag allein an Phantasie
die war sehr spärlich und ganz ehrlich
da geht die Liebe schnell perdü.

 

Dienstags gab es Huhn

Und von dem Huhn gab’s Frikassee.
Den aßen sie vor dem TV

Und guckten dabei ARD.

Der Mangel lag nicht an der Liebe,
er lag allein an dem Geschmack,

der fehlte gänzlich und letztendlich
geht da die Liebe huckepack.

 

Am Mittwoch gab es Rind
genaugenommen Rinderhack
den aßen sie vor dem TV

Und guckten Günther Strack.

Der Mangel lag nicht an der Liebe,
er lag alleine an der Zeit.

Die war zuviel und oberkiel
da wohl die schönste Liebe treibt.

 

Donnerstags gab’s Leber
ohne Tran, ein ganzes Stück
die aßen sie vor dem TV

Und guckten Ingolf Lück.

Der Mangel lag nicht an der Liebe,
er lag alleine am Gemüt.

Immer lustlos, fast bewusstlos,

jede Liebe schnell verglüht.

 

Am Freitag gab es Fisch,

Tunfisch um genau zu sein.

Den aßen sie vor dem TV

Noch immer ganz allein.

Der Mangel lag nicht an der Liebe,
er lag allein am trauten Heim,

in Sofakissen sitzen müssen,
erstickt die Liebe schon im Keim.

 

Samstags gab es Reste
aus allen Dosen aufgetischt,
Gut bewahrt in Tupperdosen
und nun munter gut durchmischt.

Der Mangel lag nicht an der Liebe
es lag allein am Überfluss
wenn er vorhanden, so versanden
selbst der Triebe Hochgenuss.

 

Doch jeder Sonntag war ein Fest
ein Festmahl sondergleichen,
da aßen sie Gesundes nur
und nicht vom Tier die Leichen.

Sie putzten sich ganz fein heraus
so wie die Stars von Nizza
und aßen bei Paolo dann
Gemüse auf der Pizza.

Und plauderten und plauderten
und waren ganz perplex
schon wieder eine Woche rum
und keinen Abend Sex.

Der Mangel lag nicht an der Liebe
er lag alleine am Programm.
Serien unsäglich und dazu tagtäglich
da wird die Liebe klamm.

© Kordula Völker, Dinslaken